Digitalisierung der Lieferkette – Top Drei der Unternehmensprioritäten

Patrick Upmann - Interim Manager und agiles Projektmanagement - E-commerce
Lesezeit: 4 Minuten

Große Unternehmen starten durchschnittlich 29 verschiedene Initiativen zur Digitalisierung vor der Anwendung, ganze 86 Prozent haben letztlich nicht eine davon skaliert.

now.digital – Patrick Upmann. Berlin, 2. Januar 2019 – Es klafft eine deutliche Lücke zwischen Erwartungen und Realität bei der Digitalisierung von Lieferketten, wie die Studie „The digital supply chain’s missing link: focus“ des Capgemini Research Institute zeigt. Während genau die Hälfte der befragten Unternehmen die Digitalisierung der Lieferkette zu den Top Drei ihrer Prioritäten zählt, kämpfen die meisten von ihnen immer noch damit, Projekte über die Testphase hinauszubringen (86 Prozent).

Oberstes Ziel: Kosteneinsparungen und neue Umsatzmöglichkeiten

Digitalisierung – Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Unternehmen geben an, dass ihre Investitionen in die Lieferkette von dem Wunsch nach Kosteneinsparungen getrieben werden, wobei steigende Umsätze (56 Prozent) und die Unterstützung neuer Geschäftsmodelle (53 Prozent) ebenfalls häufig genannt werden. Unternehmen, insbesondere in Großbritannien (58 Prozent), Italien (56 Prozent), den Niederlanden (54 Prozent) und Deutschland (53 Prozent) nennen die Digitalisierung der Lieferkette eine ihrer höchsten Prioritäten. Die große Begeisterung für die Fokussierung auf Initiativen zur digitalen Lieferkette lässt sich durch die Aussicht auf Rendite (ROI) erklären, die sie bieten. Die Studie ergab, dass der ROI für die Automatisierung in der Lieferkette und im Einkauf durchschnittlich 18 Prozent betrug, verglichen mit 15 Prozent für Initiativen in der Personalabteilung, 14 Prozent in der Informationstechnologie, 13 Prozent im Kundenservice und 12 Prozent im Finanz- und Rechnungswesen sowie in Forschung und Entwicklung. Dem Bericht zufolge dauert die Amortisation für die Automatisierung der Lieferkette im Schnitt nur zwölf Monate.

Investitionen zu dünn gestreut, Skalierung von Pilotprojekten schwierig

Digitalisierung – Die befragten Unternehmen haben durchschnittlich 29 digitale Lieferkettenprojekte in der Ideen-, Proof-of-Concept- oder Pilotphase. Nur 14 Prozent haben es geschafft, eine ihrer Initiativen auf den Einsatz an mehreren Standorten oder in vollem Umfang zu skalieren.  Von denen, die eine gewisse Größenordnung erreicht haben, berichten 94 Prozent, dass ihre Bemühungen direkt zu einer Steigerung der Einnahmen geführt haben. Die Ergebnisse derjenigen, die zur Umsetzung übergegangen sind, deuten darauf hin, dass Unternehmen sich zuviel vornehmen und nicht ausreichend auf strategische Prioritäten konzentrieren. Die Unternehmen, die erfolgreich Initiativen skaliert haben, hatten durchschnittlich sechs Projekte in Machbarkeitsstudien, während diejenigen, die nicht skaliert haben, durchschnittlich elf Projekte verfolgten.

Es gibt auch eine deutliche Lücke in Bezug auf Verfahren und Methodik zwischen Unternehmen, die Initiativen zur digitalen Lieferkette in großem Maßstab umgesetzt hatten und den anderen. Die überwiegende Mehrheit der erfolgreich skalierten Unternehmen sagt, dass sie über ein klares Verfahren zur Bewertung des Erfolgs von Pilotprojekten (87 Prozent vs. 24 Prozent) und klare Richtlinien für die Priorisierung der Projekte verfügten, die Investitionen erforderten (75 Prozent vs. 36 Prozent).

Ralph Schneider-Maul, Leiter Supply Chain Management bei Capgemini Invent, DACH ergänzt: „Während die meisten großen Unternehmen die Potenziale der digitalen Lieferkette deutlich erkennen, scheinen nur wenige die notwendigen Mechanismen und Verfahren implementiert zu haben, um aus dem Versuchsstadium in die operative Skalierung zu kommen. Unternehmen führen in der Regel viele Projekte durch, ohne die notwendige IT- und physische Infrastruktur aufgebaut zu haben und ohne den nötigen fokussierten, wertorientierten Ansatz. Dabei macht dieser den Erfolg der Marktführer erst möglich. Die Digitalisierung der Supply Chains ist dagegen nur möglich, wenn die derzeitigen Investitionen rationalisiert und Fortschritte bei denjenigen erzielt werden, die nachweislich den größten Wertbeitrag erzielen. Dabei müssen grundlegende Voraussetzungen geschaffen werden, um eine Skalierung erfolgreicher PoC sicherzustellen. Darüber hinaus müssen Lieferanten und anderen externen Partner in den Prozess des Wandels einbezogen werden.“

Schritte zur erfolgreichen Supply Chain Transformation

Die Studie rät, von erfolgreichen Unternehmen zu lernen und sich auf drei Kernbereiche zu konzentrieren:

  1. Beraten und auf Linie bringen: Stellen Sie sicher, dass die Transformation von Führungskräften der C-Suite und dem Senior Management gesteuert werden. Die Digitalisierung der Lieferkette ist ein komplexer Prozess, der Planung, Beschaffung, IT und Personal umfasst und daher nicht von einer einzigen Geschäftseinheit geleitet werden kann, sondern von oben gesteuert werden muss, um erfolgreich zu sein. Die Führung muss sich für diese Transformation einsetzen und strategisch auf die Ziele und Prioritäten konzentrieren. Die Digitalisierung der Lieferkette ist ein wesentlicher Bestandteil der Erreichung der Unternehmensziele und muss auch mit größeren Anstrengungen in Einklang gebracht werden, wie mehr Kundenzufriedenheit, so dass nicht nur die Sparpotenziale betrachtet werden.
  2. Aufbauen: Damit die Digitalisierung der Lieferkette erfolgreich ist, müssen sowohl vor- als auch nachgelagerte Partner wie Lieferanten und Distributoren bzw. Logistikdienstleister eingebunden werden und Teil der Digitalisierungsbemühungen werden. Die Silos zwischen den verschiedenen Lieferkettenfunktionen und den Technologieteams aufzubrechen ist ebenfalls entscheidend für den Erfolg der Initiativen.
  3. Aktivieren: Während die oben genannten Maßnahmen beim Start der Digitalisierung helfen, müssen Unternehmen auch in Schlüsselbereiche investieren, um sie am Laufen zu halten.  Dazu zählt, eine kundenorientierte Denkweise aufzubauen und Ansätze zu entwickeln, um ihre Mitarbeiter zu gewinnen, zu halten und weiterzubilden.

Rob Burnett, CIO Global Supply Chain & Engineering bei GE Transportation, kommentiert diesen Ansatz wie folgt: „Die Unterstützung des Managements ist enorm wichtig zur Identifizierung und Investition in die richtigen Projekte, die wirklich zu Verbesserungen führen können. Statt einer Kostenstelle kann die Lieferkette eine Quelle der Innovation und Effizienz für das gesamte Unternehmen sein. Dafür ist es wichtig, sich weiterhin stark auf Projekte mit Priorität zu konzentrieren, um den Ball ins Rollen zu bringen. Es sollte eine größere Wertschätzung dafür geben, dass weniger manchmal mehr ist.“

Mehr Anwendungen mit robototerbasierter Prozessautomatisierung (RPA) und Internet der Dinge  (IoT)

Die Studie von Capgemini untersuchte die 25 häufigsten Anwendungsfälle und analysiert jeden einzelnen auf eine einfache Implementierung und den tatsächlichen Nutzen, um diejenigen zu identifizieren, die einen strategischen Gewinn bringen. In diesen sind RPA und IOT häufiger im Einsatz, sei es in der Auftragsabwicklung, mit intelligenten Sensoren zur Überwachung des Produktzustands sowie zur Aktualisierung und Wartung angeschlossener Produkte. Basierend auf Arbeitsbeispielen aus der gesamten heutigen Lieferkette konnten Anwendungsfälle gefunden werden, die Zeit und Geld bei den Lieferkettenprozessen sparen.

Eine Kopie der Studie kann hier heruntergeladen werden.

Forschungsmethodik

Das Capgemini Research Institute befragte Supply-Chain-Führungskräfte aus 1001 Unternehmen aus der Konsumgüter-, Einzelhandels- und Fertigungsbranche zu ihren bestehenden digitalen Lieferketteninitiativen. 80 Prozent dieser Unternehmen verzeichneten im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Die Umfrage wurde von April bis Mai 2018 durchgeführt. Das Team führte auch Interviews mit Supply Chain Managern.

[1] Capgemini Research Institute, “Reshaping the Future: Unlocking Automation’s Untapped Value,” October 2018

Quelle: Capgemini

Künstliche Intelligenz im Handel – neue KI Studie

Patrick Upmann - Interim Manager und agiles Projektmanagement - E-commerce
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Berlin, 17. Dezember 2018 – Wieviel ist Künstliche Intelligenz (KI) im Handel wert und wo liegen die Wachstumschancen?

Eine neue Studie des Capgemini Research Institute errechnet ein 300+ Milliarden US-Dollar Potenzial für Händler, die ihre aktuellen KI-Anwendungen skalieren und erweitern. Bisher ist das allerdings nur bei 1 Prozent der beobachteten Anwendungsfälle möglich. Im Rahmen der Studie “Retail superstars: How unleashing AI across functions offers a multi-billion dollar opportunity” wurden 400 global tätige Handelsunternehmen befragt, die KI-Anwendungen bereits in unterschiedlichen Reifegraden einsetzen und gemeinsam 23 Prozent des Umsatzes im globalen Einzelhandelsmarkt repräsentieren.

Achim Himmelreich, globaler Leiter Customer Engagement für Konsumgüter und Handel bei Capgemini, meint: „Die Händler weltweit scheinen nun zu wissen, wie wichtig KI für ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sein wird. Das Bewusstsein ist da und erste Schritte wurden eigeleitet. Der großflächige Einsatz in der Praxis ist jetzt der nächste Meilenstein. Vor allem aber sollten Händler der Versuchung widerstehen, nur kurzfristige Renditeziele zu verfolgen und dabei Kunden – vor allen Dingen im Sinne langfristiger Kundenbindndung –  aus dem Blick zu verlieren. Laut unserer Studie legt der Großteil der Unternehmen bei KI vor allem Wert auf Kosten, Daten und Return on Invest (ROI), statt zu beobachten, welche Steine sie ihren Kunden damit in den Weg legen. Langfristig werden sich loyale Kunden wesentlich nachhaltiger in finanziellen Kennziffern niederschlagen.“

Wesentliche Erkenntnisse der Studie sind:

  • Mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Händler verwenden heutzutage KI: Dies entspricht einem deutlichen Anstieg von 17 Prozent im Jahr 2017, seit 2016 hat sich dieser Prozentsatz versiebenfacht (4 Prozent).
  • KI schafft Arbeitsplätze, die Verluste sind bisher überschaubar: 71 Prozent der Händler geben an, dass KI heute Arbeitsplätze schafft, wobei sich über zwei Drittel (68 Prozent) dieser Jobs auf einem recht erfahrenen Niveau bewegen. Dagegen erklärten 75 Prozent, dass KI bislang keinerlei Arbeitsplätze in ihrer Organisation ersetzt habe. Diejenigen die sagten, dass Arbeitsplätze eingespart wurden, schätzen die Zahl auf 25 oder weniger.
  • KI führt zu weniger Kundenbeschwerden und höheren Umsätzen: Händler sind sich bemerkenswert einig bezüglich des Einflusses von KI auf die Kundenbeziehung und Umsätze: Während die Erwartungen seit 2017 sanken, erwarten 98 Prozent der Befragten, die KI in kundennahen Funktionen einsetzen, bis zu 15 Prozent weniger Kundenbeschwerden, während 99 Prozent der Befragten einen Anstieg der Umsätze von bis zu 15 Prozent erwarten. Das ist ein bedeutender Sprung seit 2017, als die Antworten von „Null“ über „15 Prozent Wachstum“ bis hin zu „ich weiß es nicht“ reichten.

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Um die Chancen für zukünftiges Wachstum, wie den erwarteten Nutzen und eine realistische Umsetzung, zu berechnen, analysierte das Capgemini Research Institute 43 Anwendungsfälle für KI mit folgendem Ergebnis:

Nur wenige Handelsunternehmen können tatsächlich Milliarden einsparen: Laut der Studie können Einzelhändler in der Zukunft 300+ Milliarden US-Dollar einsparen, indem sie die KI-Anwendungen über die gesamte Lieferkette hinweg skalieren. Bei der Prüfung aller aktiven KI-Anwendungen zeigte sich jedoch, dass nur 1 Prozent dieser Projekte für eine Implementierung an mehreren Standorten oder bei einer vollständigen, flächendeckenden Implementierung geeignet ist.

Mangelnder Fokus auf einfache, kundenorientierte Implementierungen: Diese mangelnde Skalierbarkeit beruht wahrscheinlich darauf, dass Händler sich auf komplexere Projekte mit höherer Rendite konzentrieren. Einzelhändler, die KI anwenden, arbeiten acht Mal häufiger an Projekten mit hoher Komplexität als an „quick wins“, die einfacher zu skalieren sind. Bei den bisherigen Implementierungen fehlt zudem der Fokus auf die Benutzerfreundlichkeit: Treibende Kräfte hinter den derzeitigen KI-Implementierungen sind Kosten (62 Prozent) und ROI (59 Prozent), während die Kundenerfahrung (10 Prozent) und die bekannten Kunden „pain points“ (7 Prozent) erheblich niedrigere Priorität haben.

Enormes Potenzial für die KI im Betrieb: Heute sind nur 26 Prozent der KI-Anwendungsfälle auf den Betrieb ausgelegt, die aber hinsichtlich der Renditen zu den profitabelsten gehören. Zu den herausragenden Beispielen zählen die Verwendung von AI für Beschaffungsaufgaben (rund 7,9 Prozent ROI), die Verwendung von Bilderkennungsalgorithmen zur Diebstahlerfassung im Geschäft (7,9 Prozent) und die Optimierung der Supply-Chain-Routenplanung (7,6 Prozent). Eine digitale und optimierte Lieferkette bietet große Chancen, da KI hier deutlich mehr Effizienz bringt.

Einzelhändler sind realistischer in Bezug auf ihre Bereitschaft für KI

Nun, wo Künstliche Intelligenz in der Praxis angekommen ist, sind auch die Unternehmen realistischer, was ihre eigene Bereitschaft dafür angeht. Während im Jahr 2017 noch 78 Prozent behaupteten, dass sie über die für die Implementierung der KI erforderlichen Fähigkeiten verfügen, sind es heute nur noch 53 Prozent. Mehr als acht von zehn Einzelhändlern waren 2017 zuversichtlich, dass ihr Datenökosystem für die Implementierung der KI bereit ist. In der aktuellen Studie ist dieser Wert auf 55 Prozent gefallen. Der Anteil von Organisationen, die angeblich eine Roadmap für die KI-Implementierung haben, ist von 81 Prozent im Jahr 2017 auf nur noch 36 Prozent gesunken.

Die Studie steht hier zum Download bereit.

Forschungsmethodik

Das Capgemini Research Institute befragte im August 2018 400 Führungskräfte von Einzelhändlern in den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, China, Indien, Italien, Spanien, Schweden und den Niederlanden. Alle Befragten gaben an, dass sie KI-Anwendungsfälle in verschiedenen Reifegraden über eine Reihe von Einzelhandelssektoren und Ländern hinweg implementieren. Im Oktober 2018 führte Capgemini eine umfangreiche Sekundärforschung durch, die sich auf die 250 umsatzstärksten Einzelhändler konzentrierte. Die Umsatzzahlen wurden aus den bei Bloomberg für 2017 veröffentlichten Einnahmen ermittelt.Die Stichprobe stellt eine Mischung aus Einzelhändlern dar, die in mehreren Teilbereichen und Regionen des Einzelhandels tätig sind.

Über Capgemini

Capgemini ist einer der weltweit führenden Anbieter von Management- und IT-Beratung, Technologie-Services und Digitaler Transformation. Als ein Wegbereiter für Innovation unterstützt das Unternehmen seine Kunden bei deren komplexen Herausforderungen rund um Cloud, Digital und Plattformen. Auf dem Fundament von 50 Jahren Erfahrung und umfangreichem branchenspezifischen Know-how hilft Capgemini seinen Kunden, ihre Geschäftsziele zu erreichen. Hierfür steht ein komplettes Leistungsspektrum von der Strategieentwicklung bis zum Geschäftsbetrieb zur Verfügung. Capgemini ist überzeugt davon, dass der geschäftliche Wert von Technologie durch Menschen entsteht. Die Gruppe ist ein multikulturelles Unternehmen mit 200.000 Mitarbeitern in über 40 Ländern, das 2017 einen Umsatz von 12,8 Milliarden Euro erwirtschaftet hat.

Mehr unter www.capgemini.com/dePeople matter, results count.

Über das Capgemini Research Institute

Das Capgemini Research Institute[1] ist Capgeminis hauseigener Think-Tank in digitalen Angelegenheiten. Das Institut veröffentlicht Forschungsarbeiten über den Einfluss digitaler Technologien auf große Unternehmen. Das Team greift dabei auf das weltweite Netzwerk von Capgemini-Experten zurück und arbeitet eng mit akademischen und technologischen Partnern zusammen. Das Institut hat Forschungszentren in Großbritannien, Indien und den USA.

Quelle: Capgemini Research

[1] Das „Digital Transformation Institute“ wurde kürzlich in „Capgemini Research Institute“ umbenannt.